Der höchste Berg von Afrika


Mitten im afrikanischen Dschungel stand unser Hotel – der Ausgangspunkt zu unserer Kilimanjaro-Besteigung. Wir packten unser Gepäck in grosse Säcke und übergaben sie den Trägern, die sie für uns von Camp zu Camp trugen. Unsere 10er-Gruppe hatte sich für die Zeltvariante entschieden, was bedeutet, dass wir 41 einheimische Träger anstellen mussten, die unser Material trugen. Sie schleppten das Essen für die 50 köpfige Expedition, ein Esszelt, Tische und Stühle, und sogar ein biologisches WC bis auf 4600 müM.

In der Nacht wurde es bitterkalt. Jeden Morgen war der Tau auf dem Zelt gefroren. Sobald aber die Sonne zum Vorschein kam, wurde es angenehm warm. Wir genossen den langen Weg durch Dschungel, Moorlandschaft und Steinwüste, obwohl wir es kaum erwarten konnten, den Gipfel in seinem ewigen Eis zu erreichen. Der Weg auf den Kilimanjaro gleicht einem Weg vom Äquator an den Nordpol. Man durchquert sämtliche Klimazonen der Erde.

Wir gingen die Sache gemütlich an. Zumal wir uns akklimatisieren mussten, um für die Tage in grosser Höhe gewappnet zu sein. Jeden Tag wanderten wir 4 bis 6 Stunden lang. Wir übernachteten in kleinen Zweierzelten. Ein guter Schlafsack gehörte zur Pflichtausrüstung und das morgendliche Aufstehen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt zur Pflichtübung.

Nach sechs Camps galt es ernst. Der Gipfeltag begann nachts um 23 Uhr. Unser Waiter, Salentari, hatte uns etwas zu Knabbern gerichtet, danach ging es los in die dunkle Nacht. Es war eine tolle Stimmung. Einige afrikanischen Träger begleiteten uns und sangen einheimische Lieder. Weit unter uns leuchteten die Lichter der Stadt Moshi. Wir konnten nicht erkennen, wo die Stadt aufhörte und wo der Sternenhimmel begann. Auf dem 5700 m hohen Sellapoint, dem Kraterrand des Vulkans, erlebten wir einen grandiosen Sonnenaufgang. Eine harte halbe Stunde stand uns bis zum Uhuru Peak noch bevor. Um 6.45 Uhr war es endlich geschafft. Die ganze Gruppe stand stolz und todmüde auf dem höchsten Punkt des Kontinents. Nach sechs Tagen Marsch durch die Wildnis, nach durchfrorenen Nächten und einem kräftezehrenden Nachtaufstieg standen wir endlich am Ziel. Es war ein unbeschreibliches Gefühl. Die Stimmung in der Gruppe war trotz der Müdigkeit heiter und gelöst. Der starke Wind und die eisigen Temperaturen setzten uns aber sehr zu und wir machten uns schon bald wieder an den Abstieg. Man hat einen Berg erst bestiegen wenn man heil wieder unten ist. Ein paar von uns hatten starke Kopfschmerzen und wir mussten uns gehörig konzentrieren. Die vielen Geröllfelder erleichterten uns den langen Abstieg, indem wir auf dem feinen Kies abwärtsrutschen konnten.

Zurück im Camp auf 4600m empfieng uns Salentari mit einem Begrüssungsdrink und servierte uns das Frühstück. Danach machten wir uns auf den Abstieg zu unserem letzten Camp auf 3100 m. Hier waren wir wieder an der Grenze zwischen Buschland und Regenwald. Das Klima war sehr angenehm, es war wieder wärmer, hatte grüne Pflanzen ums Zelt und wir hörten seit langem wieder mal Vogelgezwitscher.
Unsere grosse Crew für diesen Berg bestand aus 28 Trägern, 1 WC Boy, 1 Koch, 2 Hilfsköche, 1 Waiter, 2 Hilfswaiter, 5 Personal-Porter und dem Leadguide der alles koordinierte und übersetzte. Wenn wir jeweils das neue Camp erreichten, stand immer der frische Tee bereit und die Zelte waren bereits aufgestellt. Die Träger mussten nicht nur alles Material hochschleppen, oft mussten sie bis zu 4 Stunden Fussmarsch in Kauf nehmen, um Wasser zu holen. Alle haben einen tollen Einsatz gezeigt, so haben wir am letzten Morgen die ganze Manschaft mit einem tollen Trinkgeld belohnt. Die Träger haben sich darauf mit dem Kilimanjaro Lied bedankt.
Im Tal wurden wir von einem Bus abgeholt, der uns zurück ins Hotel brachte. Auf diesen Augenblick hatten sich alle gefreut, endlich konnten wir wiedermal duschen und uns rasieren. Während der Woche im Zelt hatte sich einiges an Schweiss und Dreck angesammelt. Ein 7 -gängiges Nachtessen war dann die Belohnung für die 7 harten Tage.

Unsere Reise war aber erst richtig lanciert. Wenn man schon mal in Afrika ist, gehört es einfach dazu, dass man auch die einheimischen Wildtiere besuchen geht. Die Gruppe wurde auf zwei 4WD Safarifahrzeuge aufgeteilt und wir fuhren zu den zwei weltbekannten Nationalparks Lake Manyara und Ngorogoro/Serengeti. Zu sehen gab es all die Tiere, die man nur aus dem Zoo oder aus Filmen kennt. Wir fuhren mitten durch grosse Elefantenherden, sahen tausende von Wasserbüffeln und konnten Löwen bei der Paarung zuschauen. Alleine 700 Vogelarten leben in den Parks. Vor allem die vielen Störche, Pelikane und Flamigos zu tausenden sind uns aufgefallen. Auch Nilpferde, Nashörner, Giraffen und gewaltige Herden von Gnus und Zebras gabs aus nächster Nähe zu betrachten. Die Vielfalt und Menge an Tieren hat selbst die Landwirte und Veterinäre unter uns ins Staunen versetzt. Die geduldigsten und besten Beobachter wurden sogar mit dem seltenen Anblick eines Leoparden belohnt.

Es waren zwei erlebnisreiche Wochen in Tanzania die wohl allen Teilnehmern noch lange in bester Errinerung bleiben wird. Ich habe diese Reise organisiert und geleitet und möchte mich bei allen Teilnehmern für ihr Vertrauen bedanken.

Stei Steurer, Werthenstein

Die Bilder zu dieser Tour findest du hier