«stei»

Marcel «Stei» Steurer

 

Geboren: 3. Oktober 1972
Aufgewachsen in Ruswil, Kanton Luzern

Bilder zum
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Lieblingsberge um Chamonix

 

Familie

Verheiratet mit Tanja Bischof Steurer

Vater von zwei Söhnen:

Nando, geboren am 20. Juli 2003
Liam, geboren am 10. November 2005

 



Nando , Tanja , Liam

 

 

 

Berufliche Ausbildungen

Schreiner
Diplomierter Bergführer IVBV
J & S Experte in den Sportfächern Bergsteigen und Skitouren
Skiinstruktoren-Brevet SIVS

 

 


Bei der Arbeit als Bergführer

 

 

 

 


Sprachen

Deutsch
Englisch
Französisch

 

 

 


hoi, hello, salut, ciao

 

Hobbys

Kochen
Schreinern
Bergsteigen (siehe Alpine Disziplinen)

 

 

 


Hobby zum Beruf
und Beruf zum Hobby

 

 

Alpine Disziplinen

Sportklettern
Hochtouren
Eisklettern
Freeriden mit Ski und Snowboard
X-trem Skifahren
Canyoning

 

 


Alles in einem;
Hochtouren, Eisklettern,
X-trem Skifahren und Freeriden
 

Lebenslauf

Als ich im Oktober 1972 als Wirtesohn in Ruswil zur Welt kam, ahnte wohl kaum jemand, dass ich einmal als Bergführer meinen Lebensunterhalt verdienen würde. In meiner Familie gab es niemanden, der sich auch nur im Geringsten für das Bergsteigen interessierte.

Zum ersten Mal etwas näheren Kontakt mit den Bergen bekam ich in den Sommerlagern der Jungwacht Ruswil. Jedes Jahr gab es eine grosse Wanderung, die häufig über schöne Pässe oder sogar auf tolle Gipfel führte. Aus dieser Zeit stammt übrigens auch mein heutiger Rufname «Stei», die genaue Schilderung, wie es dazu kam dauert hier aber zu lange.

Mit dem Skiclub Alpina Ruswil und der JO des SAC Entlebuch erlernte ich später das Verhalten im alpinen Gelände. Jedes Wochenende waren wir irgendwo unterwegs, die Wetterprognosen waren für uns weder Motivation noch Hindernis. Ideen waren genügend vorhanden. Einmal gings im Schneesturm los um eine neue Route zu eröffnen, das andere mal starteten wir morgens um drei direkt nach einem Fest auf eine Skitour oder wir kletterten im Frühling in einer Südwand eine Route, ohne die über uns liegenden Schneefelder zu beachten, so dass sich mit der aufkommenden Sonne eine Canyoning Tour ergab. Auf jeden Fall habe ich während dieser Zeit sehr viele Erfahrungen gemacht, die mir heute immer wieder zugute kommen.

Wenn man so viel in den Bergen unterwegs ist, wird das technische Können von Jahr zu Jahr grösser. So konnte ich schon bald einmal an die grossen Touren und Wände dieser Alpen denken. Zusammen mit verschiedenen Freunden und Kollegen durchstieg ich die klassischen Nordwände wie Mönch, Matterhorn und Eiger. Im Hinterkopf hatte ich schon damals immer meinen Traumberuf als Bergführer. Von verschiedenen Leuten hörte ich, dass für die Bergführerausbildung ein sehr hohes Skiniveau gefragt sei.

Ich entschloss mich in der Skischule in Engelberg für zwei Saisons als Skilehrer zu arbeiten, um an meiner Skitechnik zu feilen. Im Powder-Paradies am Titlis ist mir das Unterrichten aber bald verleidet und ich verbrachte die meiste Zeit in den verschiedenen Variantenabfahrten. Das Skiniveau wurde immer besser und die Reize der klassischen Varianten waren bald einmal ausgeschöpft. Mit gleichgesinnten Kollegen begann ich immer steilere, später sogar klassische Eiswände hinunter zu fahren. Mir gefiel diese Variante des Alpinismus sehr gut und das Steilwandfahren ist jahrelang meine Lieblingsdisziplin geblieben.


Das waren noch Zeiten!

 

 


Lieblingstier und Namensvetter


 


Freeriden am Titlis

Meine schönsten und schwierigsten Alpin-Touren

Im Juli 1995 stand ich auf der Jungfrau und hatte damit jeden der 48 Viertausender in der Schweiz bestiegen. Die schönste Tour war eindeutig die Besteigung des Weisshorns über den Schaligrat. Wir waren jung und unerfahren. Gemessen an meinem Können gehört diese Unternehmung zu meinen schwierigsten Touren. Wir kamen ganz schön an unsere Grenzen. Unser Ehrgeiz war riesig und wir waren mindestens so stur wie mutig. Aber wir hatten Glück und durften aus unseren Fehlern lernen. Darum folgten später Touren, die auch in den Bergbüchern zu den schwierigsten der Alpen gehören:

 


Erste Gipfelerlebnisse
  • Eiger Lauperroute
  • Mönch Nordwand
  • Gletscherhorn Nordwand
  • Matterhorn Nordwand
  • Eiger Nordwand


Überhang, Mönch Nordwand

 

Steilwände mit Ski/ «X-treme Skifahren»

Total habe ich weit über 100 steile Abfahrten gemeistert. Die wichtigsten hier:

  • die grösste Wand der Alpen: Monte Rosa Ostwand (direkt vom Silbersattel)
  • vom schönsten Berg der Welt: Matterhorn Ostwand (ab Schulter)
  • Himmelsleiter im Mont Blanc Massiv: Couturier Couloir an der Aiguille Verte, dem schwierigsten Viertausender der Alpen
  • die Abfahrten von der Aiguille D’Argentière über fünf verschiedene Routen (Nordwand, Barbey, Y-Couloir, Milieu und Westflanke)
  • die sieben verschiedenen Abfahrten von meinem liebsten Skiberg, dem Mönch (Nollen, Westwand, Südwand, Südwand-Couloir, Südost-Flanke, Nordost-Wand, Nordwand)
  • und die wahrscheinlich imposanteste Abfahrt, die je auf Skiern realisiert wurde: die Abfahrt durch die Nordostwand des Eigers (ab grossem Turm)

Liste der Steilwand - Abfahrten (PDF)
Beschreibung einiger Erstbefahrungen (PDF)

Hier eine kleine Bilder-Auswahl


Sprung über Gletscherspalte

 


Flug über den Piz Rosegg


 

 

Erstbefahrungen auf Ski

  • Tannhorn Nordwand: Erstbegehung und Erstbefahrung an einem Tag
  • Graustock Nordwand: Schokierte Passanten alarmieren die Rega
  • Bristen Nordwestwand die längste und sportlichste Abfahrt im Urnerland
  • Titlis Ostwand: so eng, dass es dunkel ist im Couloir
  • Hangengletscherhorn Nordwandcouloir: super steile Einfahrt, aber dann folgt ein 800 Meter langes Genusscouloir
  • Dom Ostwand: Steilwandabfahrt vom höchsten Schweizer Gipfel. Das Wildeste dabei ist allerdings der Gletscher danach
  • Mönch Westwand: Letzte bis dahin unbefahrene Wand am schönsten Skiberg der Schweiz


Ersbefahrung, Titlis Ostwand

 

 

Klettern

Viel bedeutet mir auch das Klettern nur mit Klettergurt, Seil und Magnesiumbeutel. Ich habe mehrere Klettergärten und einige Mehrseillängenrouten, vor allem an der Schrattenfluh, eröffnet. Insgesamt sind dabei an die 100 neue Routen in allen Schwierigkeitsgraden entstanden. Obwohl ich inzwischen viele Gebiete auf der ganzen Welt gesehen habe, gehört für mich die Schrattenfluh zu den schönsten Klettergebieten überhaupt.

Im Frühling und im Herbst (wenn es in der Schrattenfluh oft regnet) bin ich im Süden anzutreffen. Am liebsten am Mittelmeer, irgendwo zwischen Spanien und Griechenland, wo man abends nach dem Klettern einen Pastis trinkt, feinen Fisch isst und sich bei Kerzenlicht wilde Berglergeschichten erzählt. Im Herbst ist das eine feine Art, auf den Pulverschnee in den Alpen zu warten. Ich kann es wärmstens empfehlen.

Das Klettern kommt bei allem Schlemmen und Geniessen nicht zu kurz. Meine schwierigste Route habe ich sogar in solchen Süden-Ferien gepunktet. Im Herbst 2002 gelang mir der Rotpunkt-Durchstieg in der Corto Balèse 7c+, in Chateauvert, France.


Klettern am Meer

 

 

 

 

Expeditionen & Bergsteigerreisen

 

 

  • Mount Mc Kinley, Alaska, kältester Berg der Welt,

    Mai/ Juni 1999, Skiabfahrt dur das «Orient Express Couloir»

 

 


selbst im Zelt ists kalt

 

 


  • Ama Dablam Kuhmbu-Everest Gebiet, Nepal, zweitschönster Berg der Welt

    6. November 2001

 

 

 


Ÿak-Schlafsack

  • Kilimanjaro Der höchste Berg von Afrika,

    November 2002 und Januar 2005

 

 


UHURU Peak

  • Elbrus, höchster Berg Europas, Kaukasus/ Russland

    Mai 2005

 

 


Bei Tagesanbruch

 

 


 

 

 

 


 

Ama Dablam

Reise in den Himalaja

 

 

 

 

 

 

 

 

Stei ziemlich erschöpft, am Abend nach der Gipfelbesteigung.

 

Im Oktober starteten Tanja Bischof und Marcel Steurer zu einer Expedition in den Himalaja. Das Ziel der Bergsteiger war einer der bekanntesten und schönsten Berge von Nepal, der Ama Dablam. Dieser Berg gehört in alpinisten Kreisen zu den technisch schwierigsten der Welt. Auf über 6000 Metern müssen schwierigste Kletterstellen gemeistert werden. Um wenige Höhenmeter zu überwinden braucht man Stunden und zudem kann man sich auf einer solchen Höhe nicht mehr erholen. Der Ruswiler Bergführer Marcel Stei Steurer erzählt von seinen Erlebnissen im Land der Sherpas.
Marcel Steurer
Eine Reise mit dem Flugzeug musste im Herbst 2001 trotz der grossen Vorfreude nochmals überdenkt werden, vor allem wenn sie ins Nachbarland von Pakistan führen sollte. Bereits im Flughafen von Zürich - Kloten ertönte der Name Tanja Bischof aus den Lautsprechern der Flughafenpolizei, sie musste sich sofort am Schalter melden. In unserem Gepäck wurde ein Benzinkocher entdeckt, dieser war zwar komplett leer und zerlegt, galt aber trotzdem als gefährliches Gepäckstück. Tanja musste mit ihrer Unterschrift der Vernichtung zustimmen.
Zwanzig Stunden später kommen wir trotzdem in Kathmandu an und unsere Reise geht sofort weiter. Ein Helikopter bringt uns nach Lukla, dem Ausgangspunkt unserer Expedition. Lukla liegt am Anfang des Khumbu-Tals, von hier startet auch der berühmte Everest Treck zum Basislager des Mount Everest. Dieses Tal ist vor allem von Sherpas besiedelt, ein freundliches Arbeiter- und Trägervolk. Der buddhistische Glaube ist stark verbreitet, es hängen überall Gebetsfahnen in den schönsten Farben. In den Monaten Oktober bis Dezember herrscht in dieser Gegend meist schönes aber eher kühles Wetter. Den Sommer über ist Monsum-Zeit, so ist der Herbst am besten geeignet, um die Khumbu-Region zu besuchen.
Das Trägervolk
An unserem ersten Tag werden wir überschüttet mit Neuem. In Nepal ist alles anders als in der reichen Schweiz. Die Sherpas wohnen in einfachen Hütten, die Toilette befindet sich im Strassengraben und mehr als einfache Sandalen trägt kein Einheimischer an den Füssen..
Ganz anders kommen wir Westeuropäer daher: In High Tech Klamotten aus Corotex Material, mit bequemen Rucksäcken, Trekkingschuhen mit Profilgummisohle und vielen Dollars im Sack.
Das Tragen des Gepäcks wird den Sherpas überlassen, jeder Weisse hat nur einen kleinen Tagesrucksack. Das Sherpavolk ist ein Trägervolk, seit jeher wir hier alles getragen. Lasten bis zu 80 Kilogramm transportieren sie mit einem Tragriemen über den Kopf. Die Bergsteiger-Expeditionen sind in den letzten Jahren eine wichtige Einnahmequelle geworden. Auf dem Weg ins Basislager begleiten uns drei Träger. Während dieser Zeit haben wir viel Spass miteinander.
Zermatt im Himalaja
Das Khumbu-Tal ist vergleichbar mit dem Wallis, wenn man vom Genfersee bis nach Zermatt zu Fuss gehen müsste. Der grosse Unterschied liegt aber in der Höhe, man ist hier von Anfang an auf über 3000 Metern unterwegs. Immer wieder kommen wir durch kleine Dörfchen mit Herbergen, wo wir für zwei Franken übernachten können. Die Hygiene ist aber nicht immer die beste, Vorsicht ist vor allem bei rohem Gemüse und Wasser geboten.
Plötzlich steht am Weg ein Grenzposten mit bewaffneten Soldaten, diese wollen aber nicht den Pass sondern das Permit für den Berg sehen. In Nepal muss man für jeden Berg eine Gipfelgebühr bezahlen, jene für den Ama Dablam kostet 3000 US Dollar.
Die grösste Ortschaft im Tal ist Namche Bazar, die letzte Möglichkeit um einzukaufen, was man noch braucht oder vergessen hat. Sogar eine Disco mit einer Bar ist hier auf 3600 Metern über Meer vorhanden. Wir vergnügen uns aber erst nach der Rückkehr vom Berg, denn während der Akklimatisation ist Alkohol nicht zu empfehlen, Kopfweh bekomme ich allein schon der Höhe wegen. Wir erleben Namche Bazar als das Zermatt des Himalaja
Etwas oberhalb des Dorfes gibt’s einen bekannten Aussichtspunkt, und auf einmal stehen sie vor uns - die Höchsten Berge der Welt. Der Everest, daneben Lothse und Nupste. Am eindrücklichsten sieht aber der alleinstehende Ama Dablam aus. Im ersten Augenblick kann ich kaum mehr gehen, mir läuft es kalt den Rücken runter. Ich sehe zum ersten mal die Dimensionen dieser Berge, es macht mir ein wenig Angst.

Endlich im Bace Camp

Den Berg haben wir nun gesehen, trotzdem dauert es noch fünf Tage bis zum Basislager. Der Weg geht immer rauf und runter, und in jedes Seitental führt er hinein und wieder raus. Einfach unendlich und immer mit dem Blick auf die Riesen zuhinterst im Tal. Eindrücklich ist auch Tengboche, ein riesiges Kloster auf fast 4000 Metern. Von hier erreichen wir in zwei Tagesmärschen unser Basislager unter dem Ama Dablam. Es liegt auf einem schönen Hochplateau mit Wiesen, auf denen die Yaks das letzte Gras fressen. Wir stellen unsere Zelte auf und machen es uns gemütlich, hier soll ja für einige Zeit unser Zuhause sein. Wir haben ein Schlafzelt und ein Küchenzelt. Neben uns sind noch andere Expeditionen mit ihren Zelten, Italiener, Österreicher und Australier. Tagsüber ist es jeweils angenehm warm, aber sobald die Sonne verschwindet, wird es bitter kalt. Meist kommt bereits nachmittags Quellbewölkung auf und wir müssen uns warm anziehen oder uns ins Zelt verziehen. Eine Art Toilette befindet sich hinter einem kleinen Hügel, bei jedem Gang dorthin bin ich ausser Atem, wir befinden uns schliesslich auf der selben Höhe wie der Gipfel des Mont Blanc.
Akklimatisieren heisst einfach warten und vor allem viel trinken. Sportliche Betätigung ist hier nicht nötig, der Körper muss sich langsam an die Höhe gewöhnen. Nach einigen Tagen wird es uns im Basislager aber doch langweilig, wir entschliessen uns zu einem Materialtransport ins High Camp auf 5800 Metern. Es ist ein sehr langer Weg über Moränen und Geröllfelder, später kommt noch schwierige Plattenkletterei hinzu. In der Dämmerung kommen wir mit fürchterlichen Kopfschmerzen ins Base Camp zurück, wir sind für diese Höhe noch zu wenig akklimatisiert. Wir müssen uns nochmals einige Tage gedulden.

Das Highcamp rückt näher

Im Basislager ist es kaum mehr auszuhalten, jede Nacht Temperaturen um minus 20 Grad machen uns zu schaffen. Wir wollen unser Abenteuer möglichst bald beenden, so beschliessen wir einen Gipfelversuch zu starten. Am 12. November steigen wir wieder zum High Camp hoch, diesmal wollen wir dort oben übernachten. Am morgen ist es etwas bewölkt, wir entschliessen uns trotzdem, aufzusteigen. „Alles oder nichts“ heisst jetzt die Devise, wir wollen nicht mehr länger warten. Ein Träger startet mit uns, er nimmt uns einiges Gewicht ab. Am frühen Nachmittag kommt ein Schneesturm auf, wir schicken den Sherpa zurück, sein Schuhwerk genügt bei diesen Verhältnissen nicht. Das Gepäck (Zelt, Kocher, Benzin, Schlafsäcke, Isomatten, Essen, Seile, Steigeisen, Pickel und die Kleider) müssen wir nun selber tragen. Im Schneesturm auf fast 6000 Metern mit 20 Kilogramm schweren Rucksäcken kommen wir ans Limit. Die Kletterstellen unter dem High Camp sind fast unüberwindbar, ein Zurück gibt’s aber nicht mehr, es wird schon bald dunkel. Ziemlich erschöpft erreichen wir das High Camp und kriechen so schnell wie möglich ins Zelt. Ich versuche den Kocher zu starten um Schnee zu schmelzen, denn wir haben Durst. Unser Benzinkocher ist aber unmöglich anzukriegen, es ist alles vereist und verrusst, nach zwei Stunden gebe ich auf. Wir müssen auf den kleinen Notkocher ausweichen, der eigentlich für einen Notfall am Berg gedacht ist. Damit kriegen wir gerade mal unsere Trinkflaschen voll, für eine Suppe reicht es auch noch knapp. Da der Appetit aber ohnehin nicht allzu gross ist, geben wir uns damit zufrieden.
In der dunklen Nacht
Morgens um drei hör ich den Wecker, endlich kann ich aufstehen. Geschlafen habe wir keine Minute. Die Höhe, die Kälte und die Nervosität hielten uns davon ab. Jetzt der spannende Blick vor das Zelt, was macht das Wetter? Klarer Himmel mit Mondschein. Wir zwingen uns, ein paar gefrorene Riegel zu essen, zu trinken haben wir nur sehr wenig . Vor dem Zelt ist es kalt. Wir ziehen sämtliche Kleider an, montieren die Steigeisen und starten angeseilt in Richtung Gipfel. Schon nach wenigen Metern geht die Kletterei los, es ist anstrengend in der Dunkelheit, und der Neuschnee vom Vortag macht es nicht einfacher. Wir kommen nur sehr langsam vorwärts, die schwierige Kletterei fordert uns zu stark. Nach fast vier Stunden sind wir erst auf 6000 Metern, es ist bereits acht Uhr, wir können unseren Zeitplan bei diesem Tempo nicht einhalten. Tanja überredet mich, den Gipfel alleine zu besteigen, sie wurde durch die Verhältnisse und das wenige trinken zu stark belastet. Eigentlich wollte ich zu diesem Zeitpunkt auch umdrehen, denn wir sind gemeinsam an diesem Berg. Sie fühlt sich aber stark genug, um selber absteigen zu können, meistens kann man ja abseilen.

Die Strapazen machen sich bemerkbar

Wir trennen uns, ich habe noch 800 Meter steile Kletterei vor mir. An den steilsten und schwierigsten Stellen befinden sich alte Seile, die andere Expeditionen zurückgelasse haben. Ich darf mich nicht einfach an den Seilen hochziehen, man weiss ja nie, wie alt sie sind und ob die Verankerung noch hält. Vollste Konzentration ist hier gefragt, jeder Fehler hätte schlimmste Folgen. Ich bin ganz allein am frisch verschneiten Ama Dablam, auf einer Höhe, wo keine Rettung mehr möglich ist, denn kein Helikopter kommt so hoch hinauf. Die Höhenkrankheit ist ein zusätzliches Risiko, ich muss mich selber beobachten und kontrollieren. Der Vorteil ist aber, dass ich mein eigenes Tempo gehen kann. Ich komme gut vorwärts, kurz vor elf Uhr erreiche ich einen überhängenden Bergschrund, das letzte grosse Hindernis vor dem Gipfel. An einem Fixseil kann ich aber auch diese Stelle überwinden, jetzt nur noch 200 Meter durchhalten.
Es ist ein gutes Gefühl, nach über drei Wochen Kampf und Entbehrung auf einem solchen Berg zu stehen. Der Blick zu Everstet und Lotse ist gewaltig, aber noch beeindruckender ist der Tiefblick vom 6900 Meter hohen Ama Dablam ins Tal. „Denk dran: wenn du auf dem Berg stehst, hast du erst die Hälfte“, hat mir vor Tagen ein anderer Bergsteiger gesagt. Ich weiss also, was ich noch vor mir habe. Ich habe meine Kräfte schon im Aufstieg eingeteilt, immer mit dem Gedanken „Abstieg“. In diesem schwierigen Gelände brauche ich fast gleich viel Zeit für runter, wie ich rauf gebraucht habe. Am Ende meiner Kräfte erreiche ich kurz vor dem Einnachten das Zelt. Tanja erwartet mich mit einer Suppe, die sie mit dem letzten Gas für mich gekocht hat. In dieser Nacht fällt mir das Schlafen nicht mehr so schwer wie in der Nacht davor.

Erholung am Meer

Am nächsten Morgen weckt uns die Sonne im Zelt, wir packen all unser Material und machen uns an den Abstieg ins Base Camp. Tanja hat keine Lust mehr auf einen späteren Gipfelversuch. Getrunken haben wir in den letzten beiden Tagen fast nichts, ich kann kaum mehr geradeaus gehen. Zurück im Base Camp betteln wir bei der Italiener Expedition um Wasser, dies bekommen wir zur Genüge und werden gleich noch zu einer Pizza eingeladen. Unser Ziel ist es, möglichst schnell nach Kathmandu an die Wärme zurück zu kommen.
Nach ein paar Tagen in der lärmigen Hauptstadt reisen wir noch drei Wochen mit dem Motorrad durch Nepal. Wir kommen durch Dörfer und Orte, in die sich im Jahr wohl kaum mehr als 30 Weisse verirren. Mit vielen schönen Errinerungen verlassen wir am Samichlaustag das Land in Richtung Thailand. Wir erholen uns am Strand beim Klettern und Baden, und genügend zu Trinken gibt’s hier auch.

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